1. Dezember 2020

Warum Tenet der wichtigste Film aller Zeiten ist und warum es besser ist, wenn wir nicht durch die Zeit reisen. Teil 1

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Bevor ich über Tenet schreiben kann, müssen wir erst über zwei Parameter sprechen, die unmittelbar miteinander zusammenhängen. Über Angst und Zeit. Und warum die Frage nach der Zeit, deren Umgang und der Wunsch durch die Zeit zu reisen oft bedingt sind durch Emotionen- meist der Angst.

Im zweiten Teil erkläre ich dann, warum Tenet auf Meta- Ebene der wichtigste Film aller Zeiten ist und warum wir alle nur Protagonisten sind.

2019…ist die Welt, wie wir sie kennen zu Ende. MegaCity´s sind entstanden, Landstriche verseucht und es herrschen die großen Konzerne.

1982 erschuf Ridely Scott den Film Blade Runner. Sein dystopisches Meisterwerk zeigt eine Welt, wie sie hätte sein können.

DER MENSCH IST GUT

1982 war das Jahr 2019 weit weg und die Welt zu dem Zeitpunkt eine andere. Der kalte Krieg war in vollem Gange, Deutschland geteilt, vermutlich für immer. Menschen lebten dort hinter einer Mauer, abgegrenzt, überwacht von einem diktatorischen Staate, der sich unter dem Mantel des Sozialismus verbarg. Rückblickend eine Dystopie? Auf jedenfall zerfiel die DDR und das Konstrukt aus Angst und Misstrauen war nicht länger aufrecht zu erhalten. Die Menschen sind eben im Kern gut und positives wird negatives immer überwiegen. Nicht am Anfang, aber mit der Zeit. Den Rückblickend war früher immer alles besser.

Die Mauer fiel. Die Menschen waren frei. Für ihre Rechte kämpften sie und gingen auf die Straße. Sie stellten sich ihren Ängsten und das schon tote System kippte. 1990 ging ein Aufschwung durch unser Land. Ab jetzt würde alles besser werden. Doch während die Politik blühende Landschaften versprach, wurden Betriebe geschlossen und ganze Berufsbilder verschwanden. Arbeitslosigkeit und Existenzängste machten sich breit. Denn auch Gemeinden standen plötzlich da und drohten zu verarmen.

Als in Lichtenhagen, einem Stadtteil von Rostock nur 2 Jahre später ein Asylbewerberheim in Flammen aufging, ging es um eben jene Angst. Der Fremde kam und bekam alles. Das diese Angst paradox und und in falschem Zusammenhang stand, war nicht klar. Nicht wichtig.  Die Angst griff um sich.

Die Menschen johlten und grölten. Sie zeigten mit dem Finger auf die, die drohten zu verbrennen. Die wenigsten halfen. Deutschland war danach gespalten. Die Angst war da, vor Überfremdung vor dem neuen, vor dem Unbekannten

(…“die Menschen werden immer fürchten was sie nicht verstehen“- Christopher Nolan Batman Begins 2015 )

Jugoslawien wurde aufgelöst und mit dem Krieg kam die Flüchtlingswelle. Das eigene Kind mit Ausländern in einer Klasse? Undenkbar.

Aber auch diese Krise überstanden wir. Der Mensch ist gut.

Als im Jahr 2000 alle Computer ausfallen sollten und man auf den Kollaps der gesamten Welt wartete, dachten die Menschen wie soll es danach weitergehen? Die Angst war wieder da. Aber der Kollaps kam nicht. Die Computer liefen weiter und die Welt drehte sich immer noch.

Ein Jahr später stürzten die Türme des World Trade Center ein und 2753 Menschen starben. Millionen weltweit saßen fassungslos vor den Empfangsgeräten. Angst vor Krieg, vor der Vernichtung, Angst vor dem Ungewissen waren die Folge. Der darauffolgende Krieg forderte zwischen 100 und 600 Tausend Opfer.

2006 lagen sich in Deutschland, die Menschen in den Armen. Ein Sommermärchen. Deutschland Multikulturell.

Der Mensch ist gut.

2012 der nächste erwartete Weltuntergang. Er blieb aus.

Eine Pandemie hält uns einen Spiegel vor

2019 steckten sich auf einem Fischmarkt in Wuhan, China mehrere Menschen mit einer seltsamen Form der Lungenentzündung an.

Ein paar Monate später, im Jahr 2020, ruft die WHO eine Weltweite Pandemie aus.

Es kommt zu weltweiten Lockdowns. Das Virus wird klein geredet. Denn der Mensch hat Angst. Unser Problem ist längst nicht mehr das Virus selbst, sondern der Umgang damit. Der Umgang mit unseren Emotionen.

Nicht unbedingt vor dem Tod, sondern vor allem was danach kommen könnte. Der Soziale Abstieg, die Angst vor dem Unbekannten, vor dem Morgen. Die Angst mit alledem nicht fertig werden zu können. Die Angst zeigt sich in allen Facetten, mit all ihrer Macht. Denn immer, wenn wir an unsere Endlichkeit erinnert werden. Sind wir entweder zu Großem fähig oder zu sehr Schrecklichem.

Doch in Deutschland wird gehandelt. Das Virus bricht nicht so stark ein, wie in Italien oder den USA. Für den Deutschen bleiben Bilder des Schreckens – nur Bilder. Der Deutsche hat wieder Angst, aber wenn doch alles nicht so schlimm ist, warum müssen wir dann so vorsichtig sein?! Präventionsparadoxon nennt sich das Ganze. Man sieht nicht was verhindert wurde.

(„Man sieht nur, was man sehen will. „– Kurt Tucholski)

Der Mensch hat Angst. Der Mensch ist gut – und er ist schlecht. Er war schon immer beides. Er ist das Produkt seiner Umwelt. Immer. Selbst die, die sagen, sie würden ihre Umwelt formen, haben sich mit Menschen umgeben, von denen sie es gelernt haben. Das Produkt ihrer Umwelt. Ursache und Wirkung.

(„Wann immer wir dachten, die Welt geht unter, tat sie es nicht“– Game of Thrones 7)

Es war an einem Montag, dem 24. August 1992, einem Dienstag, dem 11. September 2001 und es war am Dienstag, den 31.12. 2019, als mehrere Fälle von Lungenentzündung in Wuhan auftraten.

DER WUNSCH NACH ZEITREISEN

Es war nicht das Jahr 2000, nicht 2012. Es geschah immer, wenn wir nicht damit rechneten. Die Angst vor dem Unbekannten. Die Angst vor Morgen vor der Zukunft. Eigentlich vor der Zeit. Uns wird bewusst:

Eine Sache können wir nicht kontrollieren: Die Zeit.

Wir können nicht wieder gut machen, was wir schon getan haben. Wir können nicht verhindern was passieren wird.

Der Mensch ist paradox. Er lebt in der Vergangenheit, zieht daraus seine Lehren, gleicht sein Handeln ab und zieht seine Schlüsse. Gleichzeitig denkt er an morgen. An Termine, an Begegnungen, an Gespräche die er führen wird. Während er alles das tut, fängt er wieder an zu denken, wie war das als, ich neulich das Gespräch hatte, den Termin letztens, die letzte Begegnung.  Der Mensch ist auch das Produkt seiner Erfahrungen. Das ist auch gut so. Sonst gäbe es keine Entwicklung.

Doch, wann immer wir unsere Vergangenheit als Entschuldigung nehmen, weil wir es nicht anders gelernt haben, weil wir immer so behandelt wurden, weil uns ja keiner was geschenkt hat – werden wir uns in der Zukunft nicht verändern können. Angst wird es immer verhindern. Man hat es doch anders gelernt. Und wenn ich mich auf mein Erlerntes nicht verlassen kann, ist es dann nicht schrecklich? Was ist dann noch sicher?

Der Mensch lebt nicht im Jetzt. Selten. Er ist in ständiger Erwartung.

Wenn ich immer schlechtes Erwarte, wird es auch passieren. Wir neigen dazu, in die Falle zu tappen, das Schlechte anzunehmen und das Gute das uns widerfährt abzulehnen oder klein zu reden im schlimmsten Fall nehmen wir es gar nicht wahr.

Selbsterfüllende Prophezeiung.

(Ich habe geredet, als ich zuhören sollte. Ich habe geschwiegen, als ich was sagen sollte. – Ad Astra 2019)

WAS WÄRE WENN

Will der Mensch im Grunde gar nicht glücklich sein? Immer skeptisch, immer vergleichend, lieber vorsichtig sein.

Lieber Allein und Unglücklich, als den Schmerz der Enttäuschung. Lieber eine Sache die vorher nicht gut war komplett lassen, als sie erneut probieren und vielleicht belohnt zu werden. Lieber auf Nummer sicher. Wer weiß was die Zukunft bringt?

(„Au! Hey, warum hast du das getan.“ „Ist doch egal, es ist Vergangenheit.“ Ja, aber es tut immer noch weh.“ „ Oh ja, die Vergangenheit kann weh tun. Aber wie ich es sehe läuft man entweder davon, oder man lernt davon.“ – Der König der Löwen 1995)

Unser Umgang mit Zeit, wird durch unsere Emotionen gesteuert. Durch unser erlerntes oder anerzogenes Verhalten. Ist eine Minute lang oder kurz? Sind 10 Jahre viel? Alles rückgängig machen oder doch in die Zukunft schauen?

Wie schön wäre es durch die Zeit zu reisen? Wir könnten so viel Gutes tun, oder? Aber wären wir auch bereit unsere eigene Existenz auszulöschen zur Rettung vieler?

Wir könnten die Pandemie verhindern. Aber was, wenn die Pandemie nicht ausgebrochen wäre. Wäre die Spannung zwischen dem Irak und den USA eskaliert? Gab es ein Präventionsparadoxon?

Viele Menschen haben 2020 vieles verloren. Manche sogar ihr Leben. Viele einzelne Schicksale sind entstanden und die Welt dreht sich einfach unerbittlich weiter. Viele Menschen würden jetzt gerne vieles rückgängig machen. Hätten sie doch nur alles vorher gewusst. Doch sollte man Emotional durch die Zeit reisen? Wären wir fähig uns zu bremsen? Würden wir wirklich so weitsichtig sein können und uns rechtzeitig stoppen, bevor wir schlimmeres auslösen würden? Oft schaffen wir es ja nicht mal jetzt in diesem Augenblick zufrieden zu sein und zu erkennen, das wir schon glücklich sind. Wir werden diesen Moment bereuen.

Also, was wäre wenn?

Diese Frage treibt uns an. Sie hat vieles möglich gemacht. Sie hat den Menschen dorthin gebracht, wo er heute steht.

Sie ist auch der Ausgang vieler Filmideen zum Beispiel Blade Runner von 1982.

Das 2019 was da gezeigt wurde gab es nie. Es war nur ein Gedanke. Eine Idee. Eine von vielen.

Über eine weiter sprechen wir das nächste Mal und warum alles miteinander zusammenhängt und warum dieser Film der wichtigste ist, der jemals gedreht wurde. Es geht um Tenet.

Nichts ist so sehr für die gute alte Zeit verantwortlich wie das schlechte Gedächtnis. Anatole France

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