27. September 2020

Von den Geistern die ich rief oder wie Kalle das Laufen lernte,kurz – über Freundschaft 

Irgendwo im Norden Strausbergs gibt es ne Betonplatte, die von 2 Gleisen umrandet wird. Eben auf jener hingegossener Betonplatte, nennen wir es Bahnhof, war ich gerade angekommen. 

„Ey, spiel mal n Schizophrenen!“

„Ja, wollte ich.“

Klar, ich war 14 fast 15. Ich spiele etwas, das heutige Oscarpreisträger kaum spielen können. Gott sei Dank bin ich nicht arrogant.

„Ok, gut. Wollte ich nämlich auch schon machen.“

Wir waren damals in einer Theatergruppe. Er  war der ewige Sunnyboy. Er brauchte einem Mädchen nur zuzwinkern und sie war im Siebten Himmel. Ich hingegen war der ewige Schlumpf, der gegenüber Frauen kein Wort herausbrachte. Wenn mich eine Frau anlächelte, lächelte ich zurück wie Arnold Schwarzenegger in Terminator 2.

„Das ist kein Lächeln, das ist gruselig.“

Oder aber ich schaute beschämt zur Seite. In jedem Fall waren wir grundverschieden. Das war 2004.

Inzwischen sind einige Jahre vergangen. Wir sind erwachsener geworden. Hoffentlich auch ein wenig reifer. Frauen kamen und gingen, Freunde,die wir damals hatten sind heute an unserer Seite oder haben sich für einen anderen Weg entschieden. Kalle…den hatte ich an der Backe, wie die Geister dich rief.

Heute ist er Familie und jedem Status von Freundschaft enthoben. Er ist eine Konstante in meinem Leben. Einer der geblieben ist. Einer von wenigen. Über die Jahre ist er der Große Bruder geworden, den ich nie hatte, aber immer wollte.

Obwohl wir in unterschiedlichen Städten wohnen und ich mich von ihm verlassen fühlte, ist er nie gegangen. Aus dem Theater ist nie was geworden. Wir sind keine Schauspieler geworden. Wir sind nicht berühmt. Heute schreibe ich einen Blog. Er macht YouTube. Wir sind das Klischee unerfüllter Träume.

Sein erstes Video ist jetzt am Anfang der Woche online gegangen.

Auch wenn es nicht perfekt ist, so glänzt es von guten Ideen. Unter der Oberfläche zeichnet sich etwas ab. Es liegt an euch. Ihr könnt jetzt dabei sein und die ersten Schritte mit ihm gehen.  So wie ich es tue und darauf vertrauen, das er seinen  Weg findet. Ihr könnt von Anfang an dabei sein. Irgendwann wird das was er macht,  ein Geheimtipp sein und dann ein Hype. Ich glaube fest daran.

Wenn nicht, wenn es mit YouTube nicht klappt, dann wird er etwas anderes finden. Alles was ich euch anbiete, ist einen tollen Menschen, der eine Chance verdient.

Eines Tages möchte ich mich neben ihn setzen. Er wird reich sein und fett und zufrieden und ich werde ihn ansehen und vielleicht bekomme ich es dann mal hin, ihm zu sagen wie Stolz ich auf ihn bin.

„Du bist mein bester Freund, Cap.“

„Du meiner auch, Capper.“

Cap und Capper, Walt Disney 

(…) wenn ihr eines Tages sterbend in eurem Bett liegt, würdet ihr nicht eintauschen, heute hier stehen zu dürfen und unseren Feinden zuzurufen: “ Ja sie mögen uns das Leben nehmen, aber niemals nehmen sie uns die: Freiheit!“

William Wallace, Braveheart von Mel Gibson

Ein Gedanke zu “Von den Geistern die ich rief oder wie Kalle das Laufen lernte,kurz – über Freundschaft 

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