2. Juni 2020

und alles so lala…- Musik, Leben und ich

 

Ich bin 13 Jahre alt und das erste Mal verliebt. Endlich habe ich den Mut aufgebracht und sag es ihr. Doch sie interessiert sich für Mario aus der 8. und so gehe ich. Die Sonne scheint und alle sind so glücklich. Alle verliebt nur ich nicht. Verliebt ja, aber eben nicht zurückgeliebt. Ich brauche nun etwas, das mich unterstützt, etwas worin ich mich verlieren kann. Musik!

Ich bin 17 und längst habe ich schon 2 Mal, die große Liebe meines Lebens gefunden. Glaube ich zumindest, denn wirklich Ahnung davon habe ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Nun stehe ich da und muss Schluss machen und nachdem ich genau das auch getan habe, fühle ich mich schlecht.  Wie alle Menschen stehe ich alleine da, die weinende Ex im Rücken und eine ungewisse Zukunft vor mir. Was soll ich tun? Ich schalte meinen MP3 Player an und  lass mich von der Musik beruhigen oder mitnehmen, vielleicht auch beides. ich bin mir ziemlich sicher, in diesem Moment ziemlich alleine zu sein. Ein Lied muss her, ein Song.

Jeder Mensch braucht jemanden, der einem die Welt erklärt. 

Aber eigentlich will ich das gar nicht. Ich möchte nichts aufbauendes. Ich möchte unterstützt werden in dem was ich fühle.

(….)stehe ich da, die Hände in den Taschen und mach mir zu viele Gedanken über Menschen die mich hassen.  – Bizzy Montana

Die Jahre vergehen und plötzlich verbinde ich Ereignisse, Menschen und Emotionen mit bestimmten Liedern und umgekehrt. Manchmal so schlimm, das ich bestimmte Songs, nicht hören kann, weil der Schmerz so tief sitzt, das mir schon die ersten Klänge Tränen in die Augen treiben.

(…) aus einem Tief, hilft dir kein deepes Lied – Chakuza

Aber die Dinge verändern sich und das Lied, das ich Monate lang mit Trennungsschmerz verbunden habe, wird plötzlich schön und ich denke noch immer an den Moment, als ich es hörte doch anstatt es jetzt traurig zu finden, erscheint es bittersüß.

 So, let me go I don`twanna be your hero . I don`t wanna be a big Man. just wanna fight  like everyone else. – Family of the Year

Nichts hat sich verändert und das Erlebte bleibt noch genauso schlimm, doch wir sind distanzierter zu dem Geschehenem. Wir nehmen Abstand und sind beeinflusst und jede Entscheidung, die wir jetzt treffen, findet eben genau darin ihren Beweggrund.

Die Zeit heilt keine Wunden, weil die Zeit sich vor die Hunde warf.  – Marteria

Ich bin 22 und das erste Mal auf einem Open Air. Zelten mit den Jungs. Bier und Spaß. Am 2. Abend lerne ich jemanden kennen. Sie ist wunderschön. Wir reden eine halbe Stunde. Ich erfahre wo sie herkommt, ihren Namen und wir reden über Musik. Einige Augenblicke später schlafen wir miteinander. Nicht aus Liebe, obwohl es sich in diesem Moment so anfühlt. Aber wir fühlen im Moment das Gleiche: Freiheit. Wir sind beide euphorisch und voller Glücksgefühle – die Musik hat uns zusammengebracht und ihre Augen sind genauso glasig wie meine, als wir uns in eine Decke kuscheln und unser Song läuft, während wir fernab von allen Menschen auf einem Hügel sitzen und unsere Nummern austauschen, mit dem versprechen uns zu melden, während die Sonne langsam aufgeht.

Einige  Tage später, sitze ich zuhause und habe ihren Namen vergessen. Unser Kontakt endet mit der Frage ob wir gut  zuhause angekommen sind. Mehr passiert nicht. Ein paar Mal noch Floskeln schreiben und schon ist es vorbei.  So ist das im Leben, man trifft jemanden, geht ein Stück zusammen, dann geht jeder für sich alleine weiter.

Je älter ich werde, desto mehr begreife ich das.

Denn ich veränder mich. Das ist nicht schlimm. Viel mehr der Umstand, das sich mein Umfeld mit verändert. Denn kann ich ersteres noch mit beeinflussen so kann ich das beim letzteren nicht. Familien werden gegründet, Karriere gemacht und die große Liebe gefunden. Die Zeit zerbricht meine Freundschaften, denn die Prioritäten  meiner Freunde liegen plötzlich woanders und ich werde gezwungen mich erneut zu Fragen wo denn mein Platz ist. Es wird mir aufgezwungen.

Die Ersten sind gescheitert, die Ersten was geworden
Die Ersten wurden Eltern, die Ersten sind gestorben
Bob Dylan gab mir einst einen Kompass ohne Norden
So treibe ich verloren in ein unbekanntes Morgen. – Prinz Pi

Längst gehen wir nicht mehr nur auf Konzerte, weil wir einen bestimmten Musiker toll finden, wir machen es zu einem Ereignis. Wir möchten diesen Moment mit jemandem teilen der uns was bedeutet, mit dem wir das was wir hören verbinden. In diesem Moment spielt es keine Rolle ob dieser Mensch morgen mit uns noch unseren Weg gehen wird. In diesem Moment ist es uns wichtig, das er dabei ist. Dieser Mensch ist schließlich nicht irgendwer, er ist wichtig für uns.

Oberflächlich gesehen erscheint mir mein Leben so lala… Es passiert nicht bestimmtes. Nichts aufregendes. Ich werde geboren und das einzige, dass ich mit Sicherheit weiß ist, das ich sterbe.  Während andere soviel aufregender Leben und so viel… erleben. Dazwischen ist nur Musik.

Nicht weil ich so Leben will, viel mehr weiß ich gar nicht, wie ich Leben will oder was ich vom Leben will. Einerlei.

Jeder Mensch braucht jemanden der einem die Welt erklärt. 

Die Erkenntnis ist bittersüß. Mittlerweile bin ich dieser jemand geworden für andere und ich trage Verantwortung. Es sind so viele Songs und Songwriter die mir die Welt erklären und nebenher stell ich fest, dass  die Musik,die ich vom ersten Song an den ich mich erinnern kann bis heute, gehört habe, der Soundtrack meines Lebens ist. So unterschiedlich und Facettenreich wie ich selbst bin.

Unter der Oberfläche ist das Leben aller Menschen so ziemlich lala. Also bin ich nichts besonderes. Ich bin nicht besser nicht schlechter, als alle anderen. Es passiert nichts besonderes, niemand wacht morgen auf und entdeckt oder macht etwas, das nicht schon jemand anderes entdeckt oder gemacht hat.

Aber die meiste Zeit dabei,wenn ich alle Ereignisse zusammen nehme, war und bin ich glücklich.  Vielleicht ist das, dass große Geheimnis, das uns keiner verraten kann. Etwas gibt es nämlich noch zu entdecken:  Das unbekannte Morgen, das eigene Leben. Das kann wirklich nur jeder für sich selbst. Das wird niemand anderes für uns tun.

So lala, ist es also doch nicht, aber von viel lala umgeben. Das einzige was wir haben ist Zeit, die sollten wir jemanden schenken den wir mögen, denn Zeit ist immer knapp und wie viel wir davon haben ist ungewiss.

Aber wir haben die Freiheit zu entscheiden, an wen wir sie verschwenden, plötzlich wird dann alles erträglich und ewig plötzlich ganz kurz. Düstere Momente bleiben so lange und glückliche scheinen vergänglich, bis wir jemanden finden, der uns das Gegenteil zeigt.

 

Wir glauben nicht an viel, nur an ewig hält die Liebe
Wie im Filmen, wo die Guten immer treffen, wenn sie schießen
Während die Welt sich trennt, so wie man das halt kennt
Machst du uns morgens Pancakes in meinem alten Hemd
Wir hören meine Platten, die Sänger fast alle tot,
trag nur Shirts von alten Bands: Stones, Beatles und Ramones
Wir liegen vor dem Laptop, fangen zusammen Serien an,
mit dir hört sich lebenslang plötzlich sehr erträglich an an
Viele Freunde sind verliebt darin verliebt zu sein,
sprechen von der großen Liebe doch das ist uns viel zu klein
Die wollen soviel Weiber, wie nur möglich ist,
doch jeden Morgen sehe ich auf’s Neue, wie schön du bist
Selbst in der Enge von der miefigen Kleinstadt,
spielen unsere Kussszenen auf riesiger Leinwand,
wo wir auch sind, markieren Balken den Bildrand
Wir haben weiter gemacht, auch wenn am Set alles still stand
Die Kamera nicht hinsah, das Drehbuch ham wir nie gelesen,
unser neues Ende wird wohl niemand außer uns verstehen
Wir steigen in den Wagen, lachen, dass wir abhaun,
sollen die ihr Hollywood hinter uns doch abbauen

Prinz Pi – Glück

 

 

 

 

 

 

 

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