2. Juni 2020

Über Capes, Psychologie und Superhelden – kurz: über Batman und Superman 

Das DC Universum und Warner haben ein Problem: Ihre letzten zwei Filme wurden nicht besonders gut aufgenommen. Suicide Squad und Batman v Superman spalteten nicht nur die Fans, sondern konnten auch Kritiker nicht von sich überzeugen. Doch das liegt nicht unbedingt an den Filmen selbst, sondern das Problem liegt schon etwas weiter zurück. Es fing an mit dem Reboot von Superman.

Man of Steel wurde nicht nur falsch erzählt, sondern der Charackter der Figur Superman völlig falsch in Szene gesetzt und somit treffen in Batman v Superman, zwei sehr depressive Helden aufeinander und alles wirkt ausnahmslos düster und der Film wirkt nachhaltig unfreiwillig komisch.

Dennoch hat DC, zwei der bekanntesten Superhelden der Geschichte. Zeit einen Blick auf beide zu werfen um mal zu schauen, wer die beiden sind und was sie zu dem macht was sie sind und warum sie noch nach so langer Zeit nichts von ihrem Reiz verloren haben.

THE DARK KNIGHT: BATMAN

Als Kind muss Bruce Wayne mit ansehen wie seine Eltern von einem unbekanntem Täter ermordet werden. Er flüchtet ins Exil. Jahre später kommt er zurück und rettet als Batman, Gotham.

Der junge Bruce ist traumatisert, hilflos und gibt sich die Schuld am Tod seiner Eltern. Nun ist er nicht nur entwurzelt, sondern muss schon früh lernen, das selbst Reichtum ihn nicht vor weltlichen Dingen, wie den Tod retten kann.  Dies ist so prägend, das er sein Alter Ego Batman erschafft. Doch vordergründig vielleicht nicht nur um Verbrechen zu bekämpfen , sondern um sich auch selbst zu schützen. Ich wage die These, das zum Zeitpunkt des Überfalls nicht nur seine Eltern starben, sondern vielleicht auch Bruce Wayne. Denn Batman ist stark und geheimnisvoll und Batman bewegt sich immer an der Grenze der Legalität. Denn letztendlich ist er ein Verfechter der Selbstjustiz und damit in gewissser Weise selbst ein Verbrecher. Die Frage der Moral ist hier also absolut berechtigt. Mit der Flucht ins Exil, ist die Trauer jedoch keineswegs besiegt, sie dient als Katalysator und als Rechtfertigung seiner Heldentaten. Doch da Bruce eben nie gelernt hat zu verarbeiten und seine Traumata nur zu verdrängen, bleibt er als Bruce schwach und minderwertig. Bruce kann die Welt nicht retten und findet auch keine Antwort auf die Frage der eigenen (nicht vorhandenen) Schuld am Tod seiner Eltern. Mit fortschreitender Dauer seiner Abwesenheit wird Bruce Wayne auch für tot gehalten und bei genauer Betrachtung, kehrt eben dieser auch nicht mehr zurück. Bruce trainiert und erstärkt aus seiner Trauer, seine Motivation ist jedoch fehlgeleitet, denn sie resultiert aus einem Verlust den er kompensieren muss und findet eine Rechtfertigung darin Verbrechen zu bekänpfen.  Das einzige Bindeglied zwischen Bruce und Batman ist sein Butler Alfred. Dieser ist es, der ihn nicht nur unterstützt, sondern ihn auch immer wieder die Frage der Moral aufdrängt. Doch man erntet immer was man sät und so kann eben auch Alfred nicht verhindern, das Bruce sich immer mehr in Batman verliert. Es tauchen immer mehr Verbrecher auf und gefährlichere. Bruce tritt als Abziehbild einer Gesellschaft auf, zu der er keinen Bezug hat und die er verachtet. So ist er im High Society Leben, oberflächlich und makellos,eben so wie er diese Welt sieht. Bruce hat Geld und würde man ihm dieses nehmen, so wäre er nie Batman geworden. Das zusammen mit seinem Trauma macht Batman, nicht nur zu einem der schwächsten Superhelden, sondern auch zum menschlichsten. Batman hat Trauer und Ängste, so wie wir alle und er befindet sich im steten Lernprozess. Batman kämpft gegen Windmühlen und Probleme, die er selbst erschafft. Batman ist nahbar durch seine eigene Tragödie und er wird irgendwann sterben, wie wir alle. Wir lernen durch ihn aus unseren größten Schwächen unsere Stärken zumachen und wir lernen zu scheitern. Doch vorallem und das ist das entscheidene, ist Bruce Wayne Batman und damit ein Held. Ein einfacher Junge der genommen hat was ihm gegeben wurde und stets versucht das richtige zu tun. Das macht seinen Reiz aus und das ist der Grund warum wir uns in ihn verlieren. Seine größte Schwäche ist seine Menschlichkeit.

MAN OF STEEL: SUPERMAN

Superman ist mit Abstand, der langweiligste aller Superhelden, denn er ist perfekt und obwohl wir alle nach Perfektionismus streben, wäre es langweilig eben genau das zu sein. Wer perfekt ist, entscheidet jedoch nicht der einzelne, sondern die Gesellschaft. Obwohl aber Supermans Alter Ego ein Mensch ist,der in gewisser Weise von Superman erschaffen wurde, ist dieser ironischerweise jedoch alles andere als perfekt und damit widerum ein Abgesang auf die Gesellschaft.

Superman ist ein Flüchtling vom Planeten Krypton. Von seinem Vater in den tiefen des Alls gesandt zum Planeten Erde, landet er in Smallville auf der Farm der Famile Kent. Hier wird er liebevoll aufgenommen, umsorgt und so lange es eben geht vor der Welt beschützt.Denn würde die Menschheit herausfinden, welche Macht von ihm ausgeht, würde man Superman vermutlich versuchen zu fassen und alles mögliche mit ihm anstellen. Menschen wollen eben, was sie nicht haben können und fürchten auch immer was sie nicht verstehen.

So muss also Superman früh lernen, nicht perfekt zu sein. Er muss lernen sich anzupassen und nicht aufzufallen. Superman wird zum schwachen Clark Kent. Sein Rückhalt durch seine irdischen Eltern, ist es auch der ihn nicht perfekt oder besonders stark in Erscheinung treten lässt.Superman ist geerdet und seine größten Herausforderungen hat er nicht als Superman, sondern als Clark Kent.Er verliebt sich in Louis Lane nicht als Superman sondern Clark. Aber genau die ist nicht an dem langweiligen Farmersjunge aus Smallville interessiert, sondern dem geheimnisvollen und mächtigen Superman. Auch das ist ein bezeichnendes Bild für unsere Gesellschaft, schließlich klammert sich nun mal kein schwacher Mensch an einen noch schwächeren. Wir wollen beschützt und geführt werden. Eigenschaften die sie Clark eben nicht zuschreibt, so ist es Superman der diese Angelegenheit eben für Clark regelt.

Superman rettet die Welt, nachdem er von seinem leiblichen Vater darüber aufgeklärt wird, wer er wirklich ist. Er ist sich seiner Macht bewusst und weil er nun mal als Mensch erzogen wurde, macht er es sich eben zur Aufgabe jene zu schützen die er zu lieben gelernt hat. Schließlich möchte er selbst ein Mensch sein. Denn Krypton wurde zerstört und somit ist seine neue Heimat die Erde. Clark ist ein Bestandteil dieser, Superman jedoch nicht. Superman kann fliegen, weil die Anziehungskraft auf der Erde schwächer ist als auf Krypton und er wird durch die Sonne geheilt. Er ist sich seiner Unsterblichkeit bewusst und seiner Gottgleichheit. Das einzige, das ihn vernichten kann ist Kryptonit und genau das schenkt er einem Menschen. Damit betrachtet er eben jenen Menschen als ebenbürtig. Er schenkt es Batman, das dieser ihn im Notfall vernichten kann und ihn auch vor Feinden zu schützen. Superman ist  also selbstlos und fern von jeglicher Zornigkeit. Er ist nicht düster. Er ist Tag und Batman die Nacht.Supermans eigentliche Schwäche jedoch ist, das er nun mal kein Mensch ist und deswegen bleibt er zwar ein Superheld aber eben einer der nicht greifbar ist.

Darum kann Batman v. Superman nicht funktionieren und deswegen ist Man of Steel die Wurzel allen Übels. Beide Filme erzählen eine andere Geschichte und  die Macher haben ihre Characktere aus den Augen verloren. Sie erschaffen einen Konflikt den sie nicht lösen können und versuchen ihn an Hand einer Deus Ex Machina hanbüchend beizulegen.

Was übrigbleibt sind jedoch 2 Helden, die so tief in unserer Popkultur verankert sind, das sie Bestandteil unseres Lebens geworden sind.

„Superman didn’t become Superman. Superman was born Superman. When Superman wakes up in the morning, he’s Superman. His alter ego is Clark Kent. His outfit with the big red „S“, that’s the blanket he was wrapped in as a baby when the Kents found him. Those are his clothes. What Kent wears – the glasses, the business suit – that’s the costume. That’s the costume Superman wears to blend in with us. Clark Kent is how Superman views us. And what are the characteristics of Clark Kent. He’s weak… he’s unsure of himself… he’s a coward. Clark Kent is Superman’s critique on the whole human race.“

Kill Bill Vol. 2 von Quentin Tarantino

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*