27. September 2020

Star Was?! – oder Das Ende einer Idee

Was Disney zerstörte

Keine andere Film –Saga, ist so sehr in die Popkultur eingedrungen und hat sich in ganze Generationen verewigt wie Star Wars.

Keine andere Film -Saga hatte es mehr verdient weiter erzählt zu werden und keine andere Film -Saga wurde so schamlos um ihr würdiges Ende betrogen.

Disney wurde zum Todesstern für eine ganzen Fangemeinde.

Ich bin 9 Jahre alt und meine Eltern fragen mich, was ich mir zu Weihnachten wünsche. Es war Star Wars Episode 5 auf VHS – Kassette.

Luke Skywalker war mein Held, weil er gegen das Böse kämpfte. Er war rein und seine Motive ehrenwert. Luke Skywalker war, was ich sein wollte: Der Außenseiter, der die Welt retten musste.

Damals sah ich Filme anders. Ich sah keine Vielschichtigkeit, keine besondere Kameraarbeit oder außergewöhnliches Storytelling. Damals sah ich eine Geschichte, Schicksale oder große Abenteuer. Ich sah mit den Augen eines Kindes. Unvoreingenommen und unbelastet. Die Schauplätze im Film, wichen realen Umgebungen. Spiele im Wald oder alten Fabriken. Ich war ein Soldat, ein Ghostbuster, ein Ninjaturtle oder der Rebel. Ich war, was ich sein wollte und die Fantasie war grenzenlos, wenn der Film gut war, die Geschichte großartig und der Held als Poster im Zimmer hing. Ich bin ein Kind der 90 er und unsere Filme waren anders. Meine Freunde und ich wir waren die McLane´s, die Stallones oder die Schwarzenegger, die es nie gab. Wir spielten Handlungen weiter im strömenden Regen oder bei brütender Hitze. Wir sind eine Generation, die vom Fernseher erzogen wurde. Wir waren die letzte Generation, die noch auf der Straße gespielt hat. Die Popkultur der 90er- Jahre? Das waren wir!

Und Star Wars stand über allem. Die Jedi -Saga gab es schon vor meiner Geburt. Ich sah es mit meinen Eltern, mit meinen Freunden oder allein. Star Wars wurde zitiert, persifliert und kritisiert. Aber Luke war der Archetyp eines Helden und meine erste Berührung mit der Heldenreise. Star Wars war unantastbar und dann kam Disney und zerstörte es.

J.J. Abrams – Eine neue Hoffnung

Meine Helden sterben nun alle, nach und nach. Das ist in Ordnung. Das ist die Zeit. Der Lauf der Dinge. Doch wenn sie uns einfach genommen werden, dann haben wir ein Problem.

Es gab damals kein Netflix, kein Streaming. Es gab Videotheken und das Gespräch auf dem Schulhof. Das war alles. Wer wissen wollte, was „In“ ist, der musste zuhören worüber wir sprachen.

Alles lief damals im Fernsehen, alles was Amerika so anschleppte saugten wir gierig auf. Wir konsumierten und redeten und spielten und erfreuten uns daran.

Ich habe Lost nie gesehen. Ich kenne es nur von Gesprächen und den kleinen Teasern auf ProSieben. Später durch meine Recherchen bin ich immer wieder darauf gestoßen. Doch sehen wollte ich es dann auch nicht mehr. Lost war damals eine der meistdiskutiertesten Serien aller Zeiten und lieferte jede Menge Mysterien, die es zu lösen galt.

Am Ende jedoch wurde oft bemängelt, dass viele Mysterien nicht aufgeklärt oder unzureichend gelüftet wurden. Das Ende von Lost gilt bis heute als schwierig und wird noch immer kritisiert.

Man muss jedoch erwähnen, dass Lost eine dichte Erzählstruktur hatte und dem Zuschauer einiges abverlangte. Inmitten einer Staffel einfach einzusteigen war unmöglich. Man musste Lost von Anfang an sehen um zu verstehen. Die Serie war nicht einfach „Snackable“ sondern vielleicht Vorreiter für Serien wie Game of Thrones oder Breaking Bad. So etwas wie Lost gab es vorher nicht und wurde dennoch zu einem gigantischem Erfolg.

Untrennbar mit dieser Serie verbunden war und ist, J.J. Abrams.

Als Tom Cruise ihn für Mission Impossible 3 engagierte, ging es für Abrams nur noch bergauf. Es folgten Filme wie Star Trek, Cloverfield und eben Star Wars.

Als 2013 Disney Abrams als Regisseur verpflichtete, war die Fangemeinde gespannt. Schließlich gab er sich als einen von ihnen aus. Jemand der Star Wars verstand, der die Geschichte weiter erzählen konnte. Abrams war nach der Prequel- Trilogie die neue Hoffnung.

Viel ist zu viel

Mit Abrams hat man jedoch ein Problem. Abrams will immer Mysterien einbauen, Platz lassen für Rätsel. Das ist per se erstmal nichts schlimmes, sofern man sie konsequent bedient und zufriedenstellend auflöst.

Hier ein kurzer Exkurs:

In MI3 geht es um die Hasenpfote. Ein mysteriöses Objekt das nie gezeigt oder bzw. erklärt wird worum es sich handelt. Was hier noch bedingt funktioniert wird in Cloverfield und Super 8  als erzählerisches Stilmittel wieder aufgegriffen und in Form von Monstern auf die Spitze getrieben. Kaum gezeigt und nichts erklärt. In Star Trek wird ein Paralleluniversum geschaffen und via Zeitsprung komplett ad Acta gelegt um dann beide Universen miteinander kollidieren zulassen und so auch die alten Fans mit einzusacken.

Leider waren jedoch genau die nicht so „amused“.

Weniger ist mehr.

Dennoch wollte Abrams scheinbar in Star Wars mit Rey´s Herkunft ein Mysterium schaffen und den Zuschauer noch stärker an die neue Trilogie binden. Aber hier beginnt das große Dilemma. Star Wars Episode 7 ist Star Wars Episode 4. Neue Handlungsorte , neue Figuren und ein neuer Todesstern.

Geschichte wiederholt sich. Das gilt für Kriege und sicher auch in einer weit, weit entfernten Galaxis.

Doch die Zeit zeigt auch, dass Charaktere sich entwickeln und keinesfalls stehen bleiben. Luke wird auf eine Insel geschickt, weil er nicht verwinden kann, dass sein Schüler sich der dunklen Seite zuwandte?

Leia führt die Rebellen an und Han schmuggelt nach wie vor? Dazu kommt ein Darth Vader Imitator, der nicht richtig böse ist, aber auch nicht richtig gut. Alles ist eine Kopie, einer Kopie, einer Kopie und wird als neu dargeboten.

Nichts entwickelt sich und falls doch, dann nur leicht und natürlich bleibt alles schwarz und weiß.

Hinzu kommen viele neue Charaktere und deren Geschichten, die Anfangs interessant sind, aber doch nur als Stereotypen aufgebaut werden.

Rian Johnson machte das ganze nicht besser. Er übernimmt Abrams Figurenaufbau komplett und lässt diese so stehen. Außerdem führte er auch neue ein. Plus einen neuen Bösen Gegenspieler, der aber auch noch im selben Film sterben muss. In der letzten Episode wiederum übernimmt erneut Abrams und verbannt die von Johnson geschaffenen Figuren komplett oder lässt sie fragwürdige Dinge tun. Beide Regisseure lassen die alten Figuren sterben, damit die neuen Leben können. Das wäre auch in Ordnung gewesen, hätten die Figuren die Möglichkeit gehabt ihre Geschichte zu Ende zu erzählen. Stattdessen waren sie nur Mittel zum Zweck um das Neue zu etablieren, dessen Geschichte niemand gebraucht hätte. Am Ende fragt man sich, aber warum heißt das ganze Skywalker Saga, wenn alle Skywalker tot sind? Das wird mit Reys letztem Satz leider nicht besser.

Das Ende

Mein Schwager ist 15 Jahre alt und ein ziemlicher Nerd. Gerade was Star Wars angeht, lässt sich wenig mit ihm streiten. Er kennt sich eben aus. Nach dem er die letzte Episode gesehen hatte, sagte er: „Disney hat Star Wars einfach nicht verstanden.“

Er hat Recht. Aber vielleicht anders, als er denkt.

Star Wars war nie frei von Kritik, bei keiner Trilogie. Die Saga war auch nie bekannt für gute vielschichtige Geschichten. Aber immer für ihre Figuren und die Liebe zu ihnen. Für das wofür sie standen und die Generation die sie bedienten.

Ich war 15, als Anakin zur dunklen Seite wechselte. Der ambivalente Charakter, der seinen Weg suchte. Der sich beweisen wollte. Einer der an sich selbst und seinen Übermut scheiterte. Das war meine Pubertät und er war stellvertretend dafür.

Luke hat mir gezeigt, dass man alles werden und erreichen kann. Egal wie ungünstig und schwierig die Startverhältnisse sind. Du musst stark sein und brauchst Mentoren und es erfordert immer auch Mut. Am Ende ist der größte Gegner immer man selbst. Nie der Vater, der Chef oder der Partner.

„Furcht ist der Pfad zur dunklen Seite. Furcht führt zu Wut, Wut führt zu Hass, Hass führt zu unsäglichem Leid.“

Die letzte Episode muss zeigen, wie die Steine fallen, die mit Episode 7 nun mal angestoßen wurden. Abrams erzählte sein Star Wars und sein Ende. Nicht das der Fans.

Ich hätte gerne gesehen wie Luke, Leia und Han ihren Krieg geführt hätten, denn das Böse ist nicht plötzlich verschwunden. Ich hätte gern gesehen, wie sie als Paar kämpfen und verlieren und wieder zusammenfinden und wie ihre Kinder ein Erbe antreten, dass sie (noch) nicht verstehen können.

Aber das gilt nur für mich.

Vielleicht hat Disney Star Wars nicht verstanden, aber dann auch kein Drehbuchautor und kein Regisseur.

Vielleicht bin ich der Saga ja entwachsen. Vielleicht sind diese Helden nicht für mich gemacht worden. Vielleicht ereilt mich langsam das, wovor wir uns alle ängstigen. Ich verstehe die jüngere Generation nicht.

Meine Helden sterben. Das ist mit der Zeit so. Ich war nur nicht darauf vorbereitet. Denn in unseren Spielen waren wir immer unsterblich. Nichts war für endgültig, nichts wirklich schlimm. Alles war soweit weg. So unendlich weit…, weit entfernt.

Möge die Macht mit euch sein.

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