2. Juni 2020

Once Upon a Time in…Frontofwood

Alles Endet…und beginnt von Neuem.

2017 habe ich einen Entschluss gefasst. Ich habe meinen Beruf gewechselt und es ist viel um mich herum passiert. Den Freundeskreis, den ich früher zurückließ, den gibt es nicht mehr. Aus Freunden sind längst Erwachsene geworden, die Familie gegründet haben. Sowie ich selbst.  Einige Feiern noch immer. Andere sind wo genau sie sein wollen und wieder andere sind gestürzt und aufgewacht. Sie mussten eine bittere Wahrheit erkennen: Alles hat sich verändert. Nicht zum Bösem…nicht zum Gutem. Superlative sind fehl am Platz. Wir sind angekommen. Wir sind im Leben, genau jetzt! Mit all seinen Facetten, noch zu jung um auf etwas  Bedeutendes zurückblicken zu können, schon zu alt um Verantwortung noch ablehnen zu können. Und dennoch…dennoch sind wir alt genug geworden um uns einer gewissen Nostalgie nicht entziehen zu können. Unser Gehirn spielt uns einen Streich- Früher war alles besser! Es sagt: Früher war es einfacher, es sagt: Früher warst Du glücklicher. Früher, da war es nicht gut, es war nicht schlecht. Es war, was es war. Aber unser Gehirn, kann nur ganz schwer im Hier und Jetzt leben. Es möchte gerne voraus Denken, Ängste schüren oder uns vorbereiten auf mögliche Risiken, auf mögliche Gespräche oder Begegnungen. Alles ist eine Möglichkeit, eine Grauzone. In der Vergangenheit jedoch, da ist ja alles schon passiert. Wir haben etwas gelernt und aus dem Gelernten, schöpfen wir unseren Mut für die Zukunft. Denn unser Gehirn sagt: Früher, da hat es auch funktioniert. Früher warst du glücklich damit. Das Problem mit der Vergangenheit jedoch ist banal und erschreckend: Nichts ist so, wie wir es in Erinnerung haben. Und doch…doch zieht es uns immer wieder zurück, zurück in eine Zeit, die anders war, vielleicht….

Es war einmal…ein Tarant(k)ino

Immer, wenn ein neuer Film von Tarantino ins Kino kommt, kommt der Hype, dann die Kritiken, dann die Ernüchterung und zum Schluss die die Tarantino nicht verstehen…Das Schema ist immer gleich.

Tarantino rechnet jedoch auch immer genau damit. Er hat mal sinngemäß so etwas gesagt wie: 100 Leute sollen nicht einen Film sehen, sondern sie sollen 100 Filme sehen. 100 Leute sind eben auch 100 Meinungen. Wenn man also zu Tarantino ins Kino geht, weiß man immer was man erwarten kann. Dennoch weiß man nie was man bekommt. Man hat eine gewisse Erwartungshaltung, gemessen an den Filmen, die er bereits gemacht hat. Darin liegt jedoch das Dilemma: Kein Tarantino – Film ist wie der andere, der davor oder der danach. Immer anders, und dennoch mit einer festen Handschrift. Seiner Zauberformel aus Figuren, Writing und die Liebe zum Film selbst. Alles ist ein Zitat eines Zitates mit einer Prise von ihm selbst dazu. Am Ende kann man sagen es ist eben auch nur Bolognese. Stimmt. Aber es ist Tarantinos Bolognese. Man muss sie nicht mögen. Aber Bolognese ist eben immer Bolognese und wenn man die bestellt, kann man vielleicht was Besonderes erwarten aber eben nun mal keine Sahnesauce.

Once Upon a Time führt uns zurück in die 60 er Jahre. Dem Umsturz Hollywoods durch Filme wie Easy Rider, der Hippie – Bewegung des traumatisierten Amerikas, dass schwer zu knabbern hat an den Ausgang des Vietnamkrieges und der Auseinandersetzung der Traumata der zurückkehrenden Soldaten. Aber eben auch der Aufsplittung Hollywoods, weg vom konventionellen – hin zum Autorenfilm. Den kleinen, ruhigen Filmen und weg vom Monumentalen Kino. Genau in dieser Zeit, in der Schauspieler konventioneller Filme und Fernsehserien langsam abgesetzt werden und durch neue Aufstrebende Darsteller ersetzt werden, in der die Berufsgattung des Stuntmans langsam seine Glänze verliert, hier beginnt Tarantino sein Märchen.

Einmal nach Hollywood …und zurück

Leonardo Di Caprio und Brad Pitt spielen als Rick Dalton und Cliff Booth die Hauptrollen. Der eine ist ein gefeierter aber längst nicht mehr so erfolgreicher Schauspieler, der andere sein Stuntman. Erzählt wird die Geschichte einer Freundschaft in einer rauhen Geschäftswelt, deren Umschwung sich durch Ricks Karriere erleben lässt. Al Pacino spielt hier Großartig einen alten Studioboss, der sehr offen sagt, was Rick eben nicht mehr ist. Es ist aber auch eine Buddykomödie von zwei Freunden, die zusammen gewachsen sind und deren Freundschaft nicht eben auf Abhängigkeit beruht. das wird vor allem dann klar, als Rick die Dienste von Cliff als Stuntman finanziell nicht mehr in Anspruch nehmen kann. Rick beginnt Italo- Western zu drehen und Cliff freundet sich mit einem Hippie- Mädchen der Mansonbewegung an. Margot Robbie spielt Sharon Tate und mit ihr als unbedarfte Nebenrolle, schafft es Tarantino, dem Zuschauer dem Gegensatz zu zeigen zwischen Aufstieg und Fall zweier Stars. Szenisch ist das Setting detailliert und liebevoll Aufgebaut worden. In Erinnerung bleibt auch die Fahrt von Brad Pitt durch das alte Hollywood in Erinnerung. Brad Pitt schafft es ohne ein Wort zu sagen, eine Coolniss an den Tag zu legen, das man sich wünscht er wäre unser Kumpel.

Ein Märchen….

Am Ende zeigt uns Tarantino, wie schon in Inglorious Basterds ein Märchen, eine kontrafaktische Geschichte, die einen anderen Ausgang hatte, als den den sich Tarantino ersann. Muss man also die Hintergrundgeschichte wissen um den Film zu verstehen? Nicht unbedingt. Beides funktioniert. Der, der es besser weiß hat ein Geheimnis, das er mit sich rumtragen kann. Der Andere hat einen Guten Film gesehen, der eben auf mehreren Ebenen funktioniert. Dennoch bleibt der Film ein Märchen, ein Märchen über das alte Hollywood, ein Märchen über eine junge Aufstrebende Darstellerin und ein Märchen über zwei alte Hasen, die Freunde waren in einer Zeit in der niemand zu dir ehrlich ist. Und zu guter Letzt: Ein Märchen eines Verbrechens von Verführten, die in Tarantinos Version keine Opfer sind, sondern nur Täter. Einfach gestrickt, wie Märchen nun mal sind.

Alles fügt sich…

Jeder sieht was anderes. In der Hinsicht ist Tarantino sich treu geblieben. Seine Filme funktionieren immer auf mehreren Ebenen und bedient viele Gruppen. Tarantino feiert auch kein Comeback mit seinem Film. Obwohl es das ist was Menschen lieben. Er setzt seinen Weg eben nur fort. Nach 20 Jahren hat er seinen Stil gefunden und ist selbst schon zu einem Zitat geworden. Er muss nichts mehr beweisen. Die Aussage das seine früheren Filme besser waren, ist daher nicht unbedingt korrekt. Sie waren schlichtweg: Neu… Also, alles fügt sich zusammen und wir haben die bunte Mischung all seiner bisherigen Filme und dennoch wieder ein eigenständiges Werk. Somit zitiert Tarantino sich auch selbst und das gab es vorher auch nie in dieser Form.

Daher ist Once Upon a Time in Hollywood eine klare Empfehlung für alle die Filme lieben und die Rückkehr von Infrontofwood.

7 / 10

„Mir gegenüber im Nachteil zu sein, ist ein Vorteil, den ich dir gegenüber behalten will.“

– The Hateful 8-      Quentin Tarantino

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