12. August 2020

JOKER – Der Mann der lacht

Der Joker ist tot. Es lebe der Joker. Eine der ikonischsten Figuren kehrt zurück auf die Leinwand. Ersonnen als Gegenpart zu Batman, der immer düster ist, ernsthaft mit festen Prinzipien, ist der Joker schrill, bunt, verrückt, losgelöst und vor allem eines: Unergründbar.

Daher ist es eben auch nicht verwunderlich, dass es eben mehr braucht als eine Grimasse schneiden zu können und verrückt zu spielen. „Touch darkness and darkness touches you back!“ Du musst etwas in dir haben, das die Figur braucht, das sie dir nimmt und möglicherweise auch nicht mehr zurückgibt. Daher ist es auch nicht verwunderlich, dass die drei erfolgreichsten Joker – Darsteller alle schicksalsträchtig verknüpft sind und jeder auf seine Art etwas Dunkles an sich hat oder eben hatte. Warum also ist die Darstellung von Leto gelinde gesagt nicht die erfolgreichste? Du kannst eben niemanden darstellen, den du nicht verstehst. Das mag am Drehbuch liegen oder eben einfach an allem was „Suicide Squad“ sein wollte, aber nie war. Dennoch bleibt es eben dabei, dass nicht jeder gute Schauspieler alles spielen kann und sollte.

Warum denn so ernst?

Als nun 1989 Batman erschien und mit ihm Jack Nicholson als Joker, war seine Darstellung unantastbar. Der Film war ein Riesenerfolg und Batman befreit von seiner Komik und als ernsthafte Figur etabliert, konnte als ambivalenter, amoralischer Charakter dargestellt werden. Was Burton begonnen hat, wurde dann von Nolan übernommen und fortgeführt. Was braucht also eine so komplexe Figur? Einen Spiegel. Mit Nicholsons Darstellung wurde eben nicht nur das geschaffen, sondern auch eine leichte Origin-Geschichte zum Joker erzählt. Vor Batman war Nicholson ja sowieso schon ein Superstar und im Jahr 1989 wurde er unsterblich. Der Joker war verrückt, ein Gangster, ein Wahnsinniger, ein Depressiver, ein Clown. Alles das konnte Nicholson darstellen und bis zum Jahr 2008 konnte man sich nicht vorstellen, dass jemand jemals wieder den Joker so darstellen könne, wie Nicholson das tat. So war es auch! Musste auch keiner… . Es kam Ledger. Heath Ledger hob den Joker nochmal auf eine andere Ebene. Er zeigte ihn als anarchischen Verbrecher und unzuverlässigen Erzähler, der uns mit mehr Fragen zurückließ als er beantwortete. Heath Ledger verstarb noch im Erscheinungsjahr des Films und wurde posthum mit einem Oscar geehrt. Die populäre Frage: „Warum denn so ernst?“ wird immer mit Ledger verbunden werden. 19 Jahre nachdem alle glaubten niemand könnte Nicholson beerben. Es sollten nach Ledger auch nochmal 11 Jahre vergehen bis jemand kam, der auch schon ein Superstar ist, der uns schon in Gladiator zeigte, wie finster und düster er sein kann. Joaquin Phoenix

Der Wahnsinn ist da…

Todd Phillips ist nicht berühmt für ernsthafte und sozialkritische Filme, aber in all seinen Filmen gibt es immer auch ambivalente Charaktere in Haupt – und/oder Nebenrollen. Joaquin Phoenix ist niemand den ich mir in einer Komödie vorstellen könnte oder als sehr witzigen Mann. Was wäre also, wenn man einen Regisseur nimmt der bisher größtenteils Komödien gemacht hat und einen Darsteller nimmt, der bisher in eher ernsten Filmen aufgefallen ist? Das wäre Wahnsinn oder? So ist es passiert. Wir bekommen also nicht nur einen neuen Joker, sondern auch noch die Erklärung darüber wer und wie der Joker ist. Joaquin Phoenix verbindet den Joker von Nicholson und Ledger und fügt noch seine eigene persönliche Note hinzu. Dieser Joker ist annehmbar. Er ist genau das, was es nach Ledger gebraucht hat, um akzeptiert zu werden. eine Neuinterpretation, die sich dennoch an der Darstellung von Nicholson und Ledger orientiert und zu beiden eine Brücke spannt. Ein Joker, den es geben könnte weil er wirklich krank ist. Hebephrene Schizophrenie. Der Joker wird greifbar. Letos Darstellung war zu weit weg, zu schrill, zu bunt. Zu eigen. Ein anderes Universum.

Dieser fade Geschmack von Schade…

Muss man Joker gesehen haben? Ganz klar: Ja. Muss ich dafür ins Kino? An dieser Frage nage ich. Ich liebe das Kino. Es gibt Filme, die nur dort wirken und erst an diesem Ort ihre volle Macht entfalten. Ich glaube der Joker ist einfach kein Kinofilm. Das hat nichts mit der Qualität des Films oder seiner Bewertung per se zu tun. Was will der Joker und was lässt er zurück? Ich liebe die Darstellung von Phoenix – alleine das ist ein Must – See! Todd Phillips Joker möchte ich lieben und als Offenbarung sehen. Kann ich aber nicht. Handwerklich ist der Joker ein guter Film. Musik, Kamera und die grandiose Ausstattung sind einfach passend und stimmig. Dennoch ist da etwas das mich halbgar zurücklässt. Vielleicht die Mischung aus Art House und Comicverfilmung, vielleicht die vielen Anleihen die sich der Film nimmt, vielleicht weil es keinen Gegenpart in der traurigen Welt des Jokers gibt. Vielleicht, weil alles erklärt und aufgelöst wird. Vielleicht, weil eine Figur erklärt wird, die nur funktioniert, weil man sie nicht erklären kann. Vielleicht, weil eine Figur die so tief in der Popkultur verankert ist entmystifiziert wird. Vielleicht, weil ich einen solchen Film seit 2008 sehen wollte und jetzt, wo ich ihn endlich bekommen habe, nichts damit anfangen kann. Es bleibt also dieser fade Beigeschmack über einen Film der eigentlich gut ist. Ein Film, der mir einen neuen Joker schenkt. Bei dem mich aber nichts anderes interessiert. Schade…

7 / 10

„Du bist `n Fotograf?“ – „Nein, ich bin ein Kriegsberichterstatter!“ – „Ach? Hast schon was vom Krieg gesehen?“ – „Ja, so kleine Ausschnitte im TV!“ – „Du bist ja `n richtiger Komiker.“ – „Na, sie nennen mich ja auch Joker!“  ….

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