2. Juli 2020

Timeless (3)


Evelyn, lief am Antiquitätenladen vorbei. Eigentlich rannte sie sogar ein bisschen. Was auch immer hier gerade passiert war. Sie kann es nicht erklären, aber sie hatte entsetzliche Angst. 

Noch 500 meter.

Und wenn sie langsam verrückt wird? Wenn sie sich das alles nur eingebildet hat? Irgendwie hatte sie in letzter Zeit ja schon Stress. Die Arbeit war ziemlich anstrengend und unerfüllend und eigentlich wenn sie ganz ehrlich war, lenkte sie sich nur ab. Aber wovon?

Noch 400 meter.

Was hat er gesagt? „James wird sterben?“ James, ihr Anker ,der Junge für den sie alles aufgeben würde. Zur Not auch die Liebe ihres Lebens. Ben…Er sah Ben so unglaublich ähnlich. Er hatte das selbe Grinsen. Dieses freche und unglaublich schöne Lächeln. Und er hatte die warmen Augen, die aber auch unglaublich kalt werden können. Manchmal sprach er sogar wie sein Vater. Komisch , das die beiden keinen Kontakt haben. Das muss sich ändern.

Noch 300 meter.

Die Trennung von Ben, war eigentlich eher belastend als befreiend. Sie hat ewig gehofft, dass er ihr nachreisen würde. Aber eben ganz Ben, ist er da geblieben und hat sie aufgegeben. Oder sie ihn? Scheiße…Was soll das hier alles…Dann fährt sie halt zu Ben mit James und dann können die beiden mal vernünftig reden. Oder ist das nur ein Vorwand um Ben zu sehen?

Noch 200 meter.

Sie kann die Schule schon sehen. Schule..“Mum, das ist ne Uni“ James‘ Stimme hallte in ihrem Kopf wieder. Man wie peinlich. Was soll sie James eigentlich sagen. Warum sie völlig durchnässt und außer Atem an der Uni ihres Sohnes auftaucht? Aber braucht eine Mutter einen Grund ihren Sohn zu sehen? Sie könnte ja durch Zufall daran vorbei gegangen sein. Wenn nur der Regen nicht wäre…

Noch 100 meter.

Der Studienplatz in der selben Stadt. Für eine Mutter war das wundervoll. So konnte sie den Moment des Auszugs, der unvermeidlich ist, immerhin noch hinauszögern.

Noch 90 meter.

Verdammt! Alles voller Schüler…Studenten. Evelyns Gedanken rasten. Wenn nun James irgendwo Unterricht hat. Aber es könnte ja auch alles gut sein. Es ist alles gut. Gott. Was macht sie hier eigentlich. Sie entschied sich jetzt langsamer zu gehen. Einfach umdrehen. Doch sie ging weiter. Wenn sie jemand sieht? Ihre Füße wollten nicht stoppen.

Noch 40 meter.

Da! Da vorne! Er steht tatsächlich draußen. Ihr Junge. Ihr wunderbarer , wundervoller Junge. Evelyn bleibt stehen. Er redet mit einem Mädchen, was auch sonst. Evelyn, blieb stehen. Sie atmete tief durch. Und fing an zu lachen. Ein befreiendes Lachen. Wie muss sie wohl aussehen. Eine völlig, verrückte Frau, komplett durchnässt vom Regen, hysterisch lachend.

„Mum?“ James hatte sie gesehen.

„Mum, was tust du hier? Ist alles in Ordnung. Du bist komplett durchnässt. Ist mit Dad alles in Ordnung?“

Evelyn war überglücklich. Sie hatte keine Ahnung was genau sie eigentlich auch erwartet hat. James kam auf sie zu, mit schnellen jungen Schritten. Jetzt im Regen sah sie den jungen Ben auf sich zukommen.

Noch 10 meter.

Warum hat sie ihn nicht auch einfach angerufen? Evelyn hielt sich für so dumm.

Noch 5 meter.

„Mum? Was……….

BOOM……………………………


Alles geschah gleichzeitig. Erst schien James plötzlich zu taumeln, dann verdrehte er entsetzlich die Augen, bis dass Weiß zu sehen war. Dann schlug er steif wie ein Brett, mit dem Gesicht nach vorn auf den Asphalt.

Evelyn war plötzlich wie ferngesteuert. Sie merkte nicht, wie sie schrie. Sie merkte nicht, das irgendjemand den Krankenwagen rief. Sie merkte nicht, das die Hilfskräfte sie von ihrem Sohn wegzogen. Sie merkte nicht, wie man sie zur Seite nahm, während die Wiederbelebungsversuche schon viel zu lange dauerten.

Von irgendwoher zog ein Gewitter auf begleitet von  dunklem Grollen. Der Wind wurde stärker und peitschte den Regen regelrecht durch die Gegend. Ein Herbssturm. All das bekam Evelyn nicht mit. Sie fühlte nur noch ein Gefühl:

 

ENTSETZEN. Tiefes entsetzen…

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Ben lag wach. Er entschied sich dafür, das er wohl einfach müde oder überarbeitet war. Der Typ muss wohl einfach abgehauen sein. Industriespionage oder so. Ben lächelte. Als würde irgendwer ein Hotel ausspionieren. Was auch immer das war? Ben tat es als Schwachsinn ab. Und doch, war da etwas. Eine seltsame Unruhe. Eine, die er schon lange nicht mehr verspürt hat.

Er stand auf und ging zu seiner Hausbar. Er goß sich einen Whiskey ein und leerte das Glas in einem zug. Dann sah er aus dem Fenster. Ein Sturm tobte. Ben entschied sich dazu sich wieder hinzulegen, einfach zur Ruhe kommen. Entspannen. Er hörte auf das klopfen seines Herzens. Sein Herz, das in diesem Moment, Blut durch seinen ganzen Körper pumpte und somit den Körper am Leben hielt. Sein Herz, das seit 58 Jahren schlug. Sein Herz schlug und schlug, während das seines Sohnes vor 6 Stunden aussetzte. Ben konnte nicht schlafen, während sein Sohn ins künstliche Koma versetzt werden musste. Ben  sah auf die Uhr und hatte das Gefühl, dass die Zeit nicht zu vergehen schien. Ben wusste nicht, dass ab diesem Augenblick die Zeit komplett gegen ihn arbeitete.

Plötzlich klingelte das Telefon.
Was passiert jetzt?

A) Ben ist eingeschlafen und überhört das klingeln und verliert wertvolle Zeit.  Am nächsten morgen ist durch den Sturm die Telefonleitung kaputt. Handy Empfang und W-LAN funktionieren im Hotel nicht.

B) Ben geht an das Telefon und erfährt von Evelyn, was passiert ist. Er macht sich auf den Weg, aber durch den Sturm ist die Straße gesperrt und er kommt nicht weg.



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