27. September 2020

2016 – Ein Jahr wie eine Hure – Der andere Jahresrückblick

Alle Jahre wieder, sind alle der Meinung uns noch einmal einen Rückblick zu gewähren auf das vergangene Jahr. Sei es in den Social – Networks, im Fernsehen oder Radio. Mal satirisch, mal ernst aber selten wirklich innovativ. Auch bei mir wird das nicht wirklich innovativ sein. Das versuche ich erst garnicht. Das überlasse ich anderen Menschen.

Erst wollte ich über die vergangenen Filme schreiben, wie sehr mich dieser oder jener Film ärgerte oder eben überraschte.  Aber wer meinen Blog liest, weiß im Prinzip, was mich faszinierte oder eben nicht. Also warum wiederholen, was ich schon geschrieben habe?

Im heutigen Zeitalter glaubt sowieso jeder Kritik äußern zu können und das zu jedem Thema, tausende von Youtube Channels gibt es über Filme, Musik , Bücher, Nachrichten und jeder gibt seinen Senf dazu. Ich möchte das nicht, ich möchte mich ärgern, ich möchte euch sagen warum ich das mache und ich möchte mit euch in einen Dialog treten: Das ist Infrontofwood.

Jeder kann sagen was Scheiße ist. Jeder kann haten. Alle machen mit. Aber das will ich garnicht. Scheiße ist entweder Biologischer Abfall oder eben einfach nur ein Wort und im Endeffekt sagt es rein garnichts aus. Sagt mal einem Menschen, das er Scheiße ist. Er wird nicht wissen was er verändern soll. Weil er garnicht weiß, was an ihm verkehrt ist. Denn diese Aussage ist im Endeffekt so hilfreich für ihn, wie für einen Blinden eine Brille.

Also werde ich genau sagen, was mich stört. Ich werde euch sagen, was mir gefallen hat oder eben nicht. So funktioniert Kritik, so funktioniert es mit anderen Menschen in einen Dialog zu treten. So funktioniert Infrontofwood. Keine Kritik, eher Sichtweisen, die ich mit euch teile oder bzw. euch mitteile. (fetziges Wortspiel)

Ungefragt gesagt, eben.

Was war denn das Bitte für ein Jahr? Das Jahr der Huren? Alle wollten alles machen.  Sich bloß nicht festlegen und wenn sie es doch taten, bereuten sie es am Ende.  Star Wars ? Ja Bitte. DO IT ! Batman v. Superman? DO IT! Brexit? DO IT! Trump? DO IT! AFD? Ja, klar. Warum auch nicht?! Tripper? Mh..Hatte ich noch nicht! Einmal das Gesamtpaket, bitte.

So bitte.  Aber das wollte ich doch so garnicht! Ptja Pech.

Und nun? Nun, stehen wir alle da, schauen uns an und sind fasziniert und angewiedert zu gleich von einem Jahr, das uns nichts versprochen hat, von dem wir uns aber einiges versprachen, eben wie von der Dienstleistung einer Straßenhure.

Was mich glaube ich wirklich nervte, war dieses Überbewusstsein. Sänger XY ist gestorben! Nein!!! Schauspieler sowieso auch! Nein!!! Und was tun alle? Ein Nachruf hier, ein Post da und ganz viel Pathos hinterher werfen. Aber Menschen sterben nun mal auch die berühmten und jetzt sind wir nun mal in dem Alter, in dem wir zu den Helden werden könnten, die wir mal bewundert haben. Die Helden unserer Kindheit sterben, das ist das blöde am Erwachsen werden.  Überbewusstsein, finde ich gut, aber dann doch bitte gleichmäßig. Wo ist der Nachruf, für die Opfer des Anschlags in Berlin, in der Türkei oder überall auf der Welt, wo Menschen sterben, und das auf unnatürliche Weise. Nicht in Folge eines ausschweifendenLebensstils!

Wenn mich 2016 eines gelehrt hat dann dies: Niemand weint sich wegen euch in den Schlaf!

Denn das Überbewusstsein funktioniert nur in der Community und ist Themenabhängig. Wenn jemand schreibt, das er in einer Beziehung ist, gibt es Likes ohne Ende. Wenn jemand schreibt, das er jetzt Vegan lebt, nochmehr. In Amerika schrieb ein Student, das er sich alleine fühlt und er jemanden zum reden braucht. Er bekam einen Kommentar dazu. Darin stand, das man sowas nicht auf Facebook postet. Eine Woche später war er tot. Er hat sich das Leben genommen.

Wenn jemand Probleme hat reagieren wir alle gleich. Wir bieten unsere Hilfe an und schon ist unsere Schuldigkeit getan. Wenn die betreffende Person sich nicht meldet. Pech! Ich hab selber genug Probleme.  Am Ende heißt es immer: Aber warum hast du denn nichts gesagt? …Weil keiner reagiert hat, als ich alleine war und aus Wut und Angst alles abgelehnt habe…

Keiner, und da schließe ich mich mit ein, weint sich wegen jemand anderen in den Schlaf.  Menschen sind uns so lange nahe, wie sie ein Bestandteil unseres Lebens sind. Doch Freunde sind wir am Ende alle.

Was mich auch störte, war diese entsetzliche Angst. Angst vor Flüchtlingen, der Politik, anderen Menschen, Angst vor der Angst und am Ende die Angst vor Ablehnung.

  • DIE AFD IST AUF DEM VORMARSCH
  • GROSSBRITANNIEN  WÄHLT DEN BREXIT
  • DIE USA HAT TRUMP GEWÄHLT

Da ist es wieder unser Überbewusstsein. Das alles haben wir jetzt festgestellt und damit wurden Schlagzeilen gemacht und jetzt steht es fest. (fetziges Wortspiel 2)

Die Frage ist Warum ist das so? Wie konnte das passieren? Ptja, denkt mal drüber nach. Die Antwort kann ich euch nicht geben.

Am schlimmsten fand ich tatsächlich die Angst vor Dialogen. Es wurde letztes Jahr soviel spekuliert und interpretiert und Menschen wurden abgestempelt oder wie Müll weggeworfen. Wenn jemand Mist baut, dann ist das nicht schön. Aber anstatt aufeinander zuzugehen, lehnen wir jeglichen Dialog ab und suggerieren wie egal uns das alles ist. Der Mensch hat mich abgelehnt, der Mensch tut mir nicht gut. Dieser Mensch ist mir egal. ALTER! Was stimmt mit uns eigentlich nicht? Sind wir so unfähig, intollerant und verklemmt geworden? Sind wir wirklich so eiskalt und abgeklärt? Natürlich , bedeutet aufeinander zu zugehen auch auf Ablehnung zu stoßen, natürlich ist nach einem Gespräch nicht alles geklärt und natürlich muss ich nicht alles verzeihen. Aber Mut bedeutet eben auch etwas zu wagen. Mut bedeutet aber auch um Verzeihung zu bitten und sich Fehler einzugestehen. Mut ist immer ein Wagnis, geht es nun darum eine Beziehung einzugehen oder aber auch einfach zu dem zu stehen was man fühlt, sagt oder denkt oder wie man handelt.

Das alles hier klingt furchtbar depressiv. Aber letzendlich muss ich niemanden glücklich machen. Letzendlich möchte ich euch zum nachdenken anregen und jeder kann interpretieren was er möchte und für sich annehmen wie er es versteht und wenn nur einer am Ende diesen Artikel teilt oder likt, dann habe ich doch schon was gewonnen.

2016 hat mir nämlich auch gezeigt, das es großartige Menschen gibt. Das wir alle nach Glück streben, sei es in der Liebe , im Beruf oder in der Gruppe. Ich habe gelernt nicht immer alles zu zerdenken. Sondern Dinge hinzunehmen, dass wir alle mit unseren Dämonen tanzen, jeden Tag aufs neue und jeder für sich. Ich habe Menschen getroffen, die ich liebend gern an die Wand geklatscht hätte und nochmehr Menschen die ungefragt vor meiner Tür standen um mich zu überraschen. Die mir Geschenke machten ohne etwas dafür zu verlangen. Ich traf Menschen, die mir das wertvollste in ihrem Leben opferten: Zeit! Das einzige Gut das man nicht zurückbekommt, nie wieder.

Wenn 2016 eines war, dann Ehrlich! Das Jahr war so voll davon und  die Wahrheit tut weh. Wir verlangen immer danach bis wir sie bekommen.  Was wir daraus machen liegt jetzt an uns. 2017 ist noch jung und uns steht alles offen.  Was für ein Mensch will ich eigentlich sein?  Mit wem will ich meine Zeit verbringen und wer ist mir wertvoll genug dafür?

2016 ein Jahr wie eine Hure. Aber eine die uns gefickt hat und ehrlich war und am Ende tat es gut als es vorbei war. Denn Huren muss man nicht nachtrauern sie nehmen was sie kriegen können und egal wie es dir geht:  Sie werden deinetwegen keine schlaflose Nacht haben.

 

„Ernest Hemingway hat mal geschrieben: Die Welt ist so schön und wert, dass man um sie kämpft´. Dem zweiten Teil stimme ich zu.“

Det. Somerset, Sieben, von David Fincher

Weißt du was mir aufgefallen ist? Es gibt keine Panik, wenn die Dinge vorhersehbar sind, selbst wenn die Dinge grauenvoll sind. Wenn ich morgen der Presse erzähle, dass irgendein Bandenmitglied erschossen wird, oder ein Laster mit Soldaten in die Luft fliegt- gibt`s keine Panik, weil all diese Dinge bereits eingeplant sind, aber wenn ich dann sage, dass ein kleiner popeliger Bürgermeister stirbt, verlieren alle plötzlich den Verstand.

Joker, The Dark Knight, von Christopher Nolan

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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